Fotografische Bildgestaltung – Frank Dürrach [Review]

Wenn du bewusster fotografieren möchtest wirst du dich mit der Bildgestaltung auseinandersetzen. Zu diesem Zweck habe ich zum Buch „Fotografische Bildgestaltung“ von Frank Dürrach gegriffen. Ein umfassendes Nachschlagwerk der Grundbausteine des Bildaufbaus, das mehr als nur an der Oberfläche kratzt.

Der Inhalt in Kürze

Das Buch beleuchtet 12 Bausteine der Bildgestaltung und interpretiert Diese in drei weiteren Kapiteln zu den Themen „Stilistik“, „Bildaufbau“ und „Goldene Worte“ nochmal aus verschiedenen Blickwinkeln.

  • Akzente
  • Einakzenter
  • Zweiakzenter
  • Linien
  • Strukturfotos
  • Die Bühne
  • Flächen
  • Vielschichtigkeit
  • Schablonierung
  • Farbe
  • Bild im Bild
  • Der blasse Akzent

Auf 313 Seiten wird mit Beispielbildern nicht gegeizt. Alle Inhalte sind nicht nur theoretisch beschrieben sondern auch mit zahlreichen Fotografien aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen anschaulich dargestellt. Die Beispielbilder werden ausführliche beschrieben. Dabei werden die unterschiedlichen Wirkungen und Einsatzmöglichkeiten der Stilmittel besprochen. Immer wieder streut Frank Dürrach kurze Praxistipps ein.

In den Erläuterungen zu den Bildern geht es viel um die Wirkung der jeweiligen Gestaltungselemente, Bildstile und Modelle. Du erfährst aber auch einiges über die Machart. Technik, Kamera-Einstellungen und auch Nachbearbeitung finden immer mal wieder Erwähnung, stehen bei der Besprechung der einzelnen Bilder aber nicht im Mittelpunkt. Im Kapitel zum Bildaufbau wird den Themen Objektive, Komposition, Schärfe und Zuschnitt dann aber nochmal extra Aufmerksamkeit geschenkt.

Frank Dürrach beschränkt sich nicht auf einen oder eine Handvoll Felder der Fotografie. Vielmehr bleibt das Buch sehr neutral. Ob mit Smartphone oder DSLR; ob auf Hochzeiten, fürs Business oder Portrait; jeder kann aus jedem Kapitel und Thema etwas mitnehmen.

So habe ich das Buch gelesen

Eigentlich habe ich das Buch nicht gelesen. Vielmehr nutze ich das Buch immer wieder. Ich nehme mir hin und wieder gezielt einzelne Aspekte der Fotografie vor und lese dann die passenden Kapitel. Ich gehe meine eigene Bilder durch und betrachte sie gezielt aus dem Blickwinkel des jeweiligen Themas. So habe ich sofort einen Bezug zu meiner Arbeit, entdecke Bilder in denen ich, oft eher unterbewusst, viele Elemente der Bildgestaltung gut eingesetzt habe. Manchmal kann das aber auch etwas frustrierend werden. Wenn man auf jedes Detail achtet und über das potentielle Optimum nachdenkt finden sich schließlich immer Aspekte die man noch besser machen könnte.

Fotografische Bildgestaltung ist also eher kein Buch das man von vorne bis hinten durchliest. Es ist ein Nachschlagwerk oder ein Quell der Inspiration. Dabei unterstützt auch ein sehr übersichtliches Inhaltsverzeichnis das stets konkrete Begriffe verwendet. Und wenn das nicht reicht, gibt es zusätzlich ein Stichwortverzeichnis.

Zitate aus „Fotografische Bildgestaltung“

Um einen kleinen Eindruck zu gewinnen stelle ich hier 5 Zitate aus dem Buch heraus. Ganz bewusst sind die Zitate sehr unterschiedlich gewählt um den Schreibstil und zu erwartende Inhalte zu skizzieren:

„Linien oder Kanten von Körpern, die auf Fluchtpunkte zulaufen, können auf dem flachen fotografischen Bild den Eindruck von Raumtiefe hervorrufen.“

Linienfunktionen – Raumtiefe erzeugen – S.110

„Ein starkes Kontrastprogramm zur Sachlichen Fotografie ist ein Stil, den ich „Trash“ nenne. Dieser ist sehr expressiv und zeichnet sich durch die Einbeziehung von Mitteln aus, die gewöhnlich als Bildfehler betrachtet werden“

Stilistik – Beispiel: Trash – S.266

“ ‚Blasse Akzente‘ arbeiten der Schwäche der Fotografie entgegen, zu schnell zu viel zu zeigen. Diese Bilder sperren sich dem einfachen Zugang und erfordern ein näheres Einlassen bei Betrachtern“

Der blasse Akzent – Sperrige Bilder – S.250

„[…]Es geht auch ohne tiefgründige Aussage: In dem schönen werblichen Bild #3 schafft der sanfte Schleier, der über der Teetrinkerin liegt, einfach Atmosphäre. Ein Trick, der in der inszenierten Porträtfotografie oft zu sehen ist.“

Vielschichtigkeit – Inhalte auf mehreren Ebenen – S.180

„[…]Treppen-Varianten. Welche aufwärts zu führen scheint und welche abwärts, ist für die meisten Menschen klar. Entsprechend kann man mit solch einer diagonalen Linie Eindrücke und Inhalte vermitteln. Ein Minister, der zurücktritt, sollte tendenziell auf Treppe #6 laufen, ein Aufsteiger buchstäblich auf der #5.“

Linienfunktionen – Blickführung II – Steigen, fallen – S.109

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