Streetfotografen in Frankfurt: Meet & Greet & Exhibiton

Nach 1,5 Jahren Lockdown trafen sich in Frankfurt Streetfotografen aus ganz Deutschland, und darüber hinaus (Grüße nach Zürich). Netzwerken, Fotografieren, Tech-Talk und eine Pop-Up-Ausstellung am Main standen auf der Tagesordnung. Organisiert und eingeladen wurde von den deutschen Street-Collectiven. Und man kann es nicht anders sagen, es war einfach ein scheiß 0111001101100011011010001100001110110110011011100110010101110010 010101000110000101100111 (?)

Irgendwann im Mai 2021 – Wenn man andere Streetfotografen treffen möchte, dann ist Instagram eine gute Anlaufstelle. Oder die Collective von denen es immer mehr in Deutschland gibt. Als ich mich Ende Mai mit Samuel in Nürnberg traf (wir hatten gerade beide die gleiche neue Kamera und wollten mal gemeinsam los ziehen.) erzählte er mir von dem Plan eines Treffens in Frankfurt. Und nur wenig später machte der Aufruf zum „Collective-Meeting“ in Instagram die Runde. Nicht lange gezögert, Hotel reserviert, Termin im Kalender geblockt. Vorfreude.

09. Juli 2021 – Morgen geht’s los. Treffpunkt ist ausgemacht. Bahnticket gebucht. Akkus voll. SD-Karte formatiert. Und eine Guerilla-Ausstellung am Main ist geplant. Dafür darf/soll jeder 2 bis 3 Prints mitbringen und nun sitze ich hier und soll eine Auswahl treffen. Die Frist ist mein Freund: Irgendwann hab ich dann einfach aufgehört zu grübeln und drei Bilder auf einen Stick gepackt um sie noch schnell in der Drogerie aus dem Automaten zu lassen. Wäre das auch geschafft.

Jetzt war da nur noch das Wetter. Die letzten Tage waren grau und regnerisch, Wasser im Keller (aber das ist ne andere Geschichte) und die Aussichten für die nächsten Tage waren nicht viel besser… bis auf… ja… mit Glück könnte der Samstag trocken bleiben. Zur Sicherheit noch schnell die Regenjacke eingepackt.

10. Juli 2021 – 7:00 – Als ich vor die Haustür gehe ist alles in dicken Nebel gehüllt. Immerhin kein Regen. Und Nebel ist irgendwie ja auch ganz nice. Ich bin dann in Würzburg in den Zug gestiegen in dem bereits die Delegation vom Nürnberg Unposed Collective fröhlich beisammen saß. In Frankfurt machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Hotel. Unterwegs trafen wir bereits die erste kleine Gruppe die schon mit Kamera im Anschlag durch die Straßen zog. Es zeigte sich, dass Gerald als Hotel-Influencer wohl für 50% der Buchungen verantwortlich war. Viele die heute nach Frankfurt gekommen sind haben hier ihr Nachtlager aufgeschlagen. Auf Provisionsverhandlungen wollte sich an der Rezeption aber keiner einlassen.

Die aktuellen Corona-Bestimmungen machten aus dem Checkin dann leider doch noch einen etwas längeren Tagesordnungspunkt. Während die einen mit Schnelltests direkt in der Lobby selbst Hand anlegten, zogen andere noch zum nächsten Testzentrum um die Ecke. Als das alles geschafft war ging es direkt in Richtung offiziellem Treffpunkt.

10. Juli 2021 – 12:00 – Es war einfach super schön, so viele Streetfotografen auf einem Haufen zu sehen. Die Gesichter hinter den Instagram-Profilen und sich persönlich kennzulernen oder wiederzusehen. So machte ich irgendwann die Gruppe aus Hannover aus und hielt einen Plausch mit Guido und Andre. Die Bilder der Hannoveraner haben mich schon oft auf Instagram begeistert und auch gezeigt, dass Hannover nicht so grau ist, wie man das als Ausstehender oft annimmt.

Die beiden Köpfe hinter der Organisation, Gerald (Nbg Unposed) und Stefan (FFM CollateralEyes), hatten einen Plan der da hieß „zieht hinaus, verknüpft euch, fotografiert, habt Spaß! Gemeinsamer Treffpunkt: 15:00 Uhr an der alten Oper – 17:00 Uhr an der Mainbrücke zur Guerilla-Ausstellung“. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto zogen vereinzelte Grüppchen los um Frankfurt zu erkunden.

Das Wetter meinte es richtig gut mit uns – inzwischen schien die Sonne! So ein richtiger Fotografie-Flow wollte sich aber noch nicht einstellen. Schnell waren wir uns einig „Das liegt am leeren Magen!“. Wir sind also eher zur alten Oper gesprintet als flaniert und haben uns dann zu Speiß und Trank niedergelassen. Das schöne Wetter trieb die Frankfurter auf die Straßen. Sehen und gesehen werden war rund um die alte Oper angesagt und es war schon fast unwirklich wie viel Leben und Trubel in der Stadt herrschte. Sehr ungewohnt nach den Corona-Monaten.

Es wurde fleißig fotografiert. Der Seifenblasenkünstler, umringt von Streetfotografen, dürfte sich gefühlt haben wie auf einer Pressekonferenz. Ich schloß mich jetzt ein paar Anderen an, und wir zogen durch die Stadt, U-Bahn-Stationen und Gassen. Einen „Local“ an der Seite zu haben war da jetzt schon sehr von Vorteil.

Langsam ging es auf 17:00 Uhr und somit das Highlight des Tages zu. Deshalb war noch en Einkehrschwung zur Drogerie nötig um einige Prints aus dem Automaten zu lassen. Ich hatte meine ja bereits am Vortag gedruckt und war bestens gewappnet.

10. Juli 2021 – 17:00 – An der Untermainbrücke trafen, soweit ich das überblicken konnte, alle wieder zuverlässig aufeinander. Es wurde nicht lang gefackelt, Klebestreifen wurden rumgereicht und die ersten Bilder fanden ihren Platz am Fußgängerweg unter der Brücke. Es hingen noch nicht alle Bilder, schon rollte das Fahrzeug der Reinigungskräft an. „Die werden doch nicht….!“ 😱 – Nein. Nach kurzer Erklärung lies man uns mit den Worten „Macht uns nicht zu viel Arbeit.“ gewähren.

Ich persönlich fand diese kleine Pop-Up-Ausstellung unwahrscheinlich gelungen. Es gab ein tolles Bild ab, wie die ganze Unterführung mit Streetfotografien gepflastert wurde. Von unterschiedlichsten Fotografen mit unterschiedlichen Stilen. Ganz ehrlich, ich hab mir das einfach auch selbst sehr gerne angeschaut. Und so ging es wohl den meisten von uns. Weshalb die Unterführung auch erstmal ne gute halbe Stunde von Menschenmassen verstopft wurde. Sehr zum Leid der Radfahrer. Sorry. Mehr und mehr Passanten blieben stehen und es ergaben sich wunderbare Gespräche.

Die Besonderheit der Ausstellung lag nicht nur in der Guerilla-Aktion im öffentlichen Raum sondern auch darin, dass alles Bilder mitgenommen werden durften. Es war toll zu beobachten wie die Passanten Bilder betrachteten, kommentierten. Unter Jubel und Applaus wurden die ersten Bilder abgehängt und mitgenommen. Es gab Leute die es kaum fassen konnten und unbedingt dafür bezahlen wollten oder ganz schüchtern fragten ob sie auch zwei mitnehmen dürften. Ich glaube es war für alle Beteiligten sehr schön, das Feedback auf die Fotos zu beobachten. Und auch die Reinigungskräfte dürften sich gefreut haben, da am Ende tatsächlich kaum noch Bilder hängen geblieben sind.

Wir verbrachten den Abend nun damit, zwischen dem Imbiss-Boot, den Brücken, dem Biergarten am Mainkai und der Ausstellung hin und her zu wechseln. Im Sonnenuntergang entstanden noch schöne Fotos. Und irgendwann ging es dann langsam zurück Richtung Hotel, auf einen Gin-Tonic zum Tagesabschluß. Nachdem das alles rundum gelungen war, brach dann das Gewitter über die Stadt herein. Egal. Ab ins Bett.

Jetzt muss ich es einfach nochmal so sagen: Das war doch einfach ein scheiß, schöner Tag! Danke an Alle!

11. Juli 2021 – Pünktlich um 6:58 weckte mich eine WhatsApp von Jolanta die sich in der Gruppe mal erkundigte ob schon wer frühstücke, gleichzeitig aber auch mitteilte, dass sie jetzt erstmal noch nicht aufstehen werde. 😬 Super. Blick aus dem Fenster: trist, leichter Regen. Egal. Erstmal unter die Dusche und dann noch ne Runde mit Reiner um den Block flaniert. Wir hatten viel Müll zu bestaunen und wenig zu fotografieren. Und haben die Zeit zur Unterhaltung und Luft schnappen genutzt.

Nach und nach sind dann alle die im selben Hotel waren zum Frühstück eingetrudelt. Bei Kaffee und Brötchen wurden dann die Eindrücke des vergangenen Tages und die ersten Fotos geteilt. Dann ging es wieder zum Zug. Alle etwas erschlagen. Die netten Leut vom Nürnberg Unposed Collective haben mich dann zuverlässig wieder in Würzburg aus dem Zug geschmissen.

Was bleibt ist ein Wochenende voll Spaß, schöne Gespräche (u.a. über Gin, Kameras, Thomas Leuthard, U-Bahn-Charm oder wie Soul of Street zu seinem Namen gekommen ist, …) netten Leuten und… ach… lasst uns einfach in Kontakt bleiben und diesen Spaß irgendwo, irgendwann wiederholen!

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