Storytelling mit Fotos: Der einfachste Weg wie deine Fotos Geschichten erzählen.

Bilder sollen Geschichten erzählen. Und im Grunde tun das alle Fotos. Dagegen kann man sich gar nicht wehren. Nur gibt es eben spannendere Geschichten und weniger spannende. Und vor allem, sollen die Fotos die richtige Geschichte erzählen! Eine der wichtigsten Zutaten für lebendige und spannende Fotos sind: Beziehungen! Warum eigentlich gar nicht das Bild, sondern der Kopf des Betrachters die Geschichte erzählt und was du tun kannst um die Synapsen beim Betrachter so richtig zum Glühen zu bringen, darum geht es in diesem Artikel.

Wie Bilder systematisch unemotional werden.

Wenn Fotos gemacht werden, unterliegen wir einem Ordnungs-Reflex der den Bildern mehr schadet als nutzt. “Oh, warte ich geh kurz aus dem Bild!”, “Ich will mal n Foto vom Hotelzimmer machen, räum doch mal deine Koffer da weg!” oder besonders beliebt “Guckt doch mal her, ich will ein Foto machen!”. Dabei kommen technisch keine schlechte Fotos raus: Das Bild vom Kind das grad mit Oma spielt, nur Oma ist halt nicht mit drauf. Das leere Hotelzimmer. Hätte man natürlich auch auf der Website sehen können. Und natürlich das Familienfoto am Weihnachtstisch. Alle schauen in die Kamera. Alle setzen ihr schönstes Lächeln auf. Wie jedes Jahr.

Ok. Das sind klassische Hobby-Fotos oder? Andere Bilder, aber das selbe Prinzip, sind auf Websites und Social-Media-Accounts von Firmen und Selbstständigen zu beobachten: Der Handwerker will seine Baustellen auf Social-Media begleiten. (Und das ist eine wirklich gute Idee!) Wenn man sich durcharbeitet sieht man aber im Grunde immer das gleiche – Ein unfertiges Badezimmer, und ein fertiges Badezimmer. Mal mit weißen Fliesen, mal mit Holzoptik. Es wird schnell langweilig. Aber was soll der Handwerker auch anders zeigen? So sehen seine Baustellen nun mal aus oder?

Was zeigt der Arzt auf seiner Website? Genau, ein leeres Wartezimmer. Den Empfangstresen – vielleicht mit einer Mitarbeiterin dahinter. Und vielleicht noch ein Foto vom Team. Ärztin in der Mitte, Helferinnen außen rum. Fotografiert vom Profi. Vielleicht sogar im Studio. Die Zähne glänzen.

Egal welches dieser Beispiele ich jetzt herausgreife, eines haben alle gemeinsam: Sie sind zu ordentlich! Aber, was meine ich damit genau? Ich werde es dir in diesem Artikel erläutern. Und nicht nur das – am Ende des Artikels wirst du weniger über “Ordnung” nachdenken und viel mehr über “Beziehungen”. Versprochen.

Fotografiere Beziehungen und deine Bilder werden ganz automatisch Geschichten erzählen

Die oben genannten Bilder zeigen alle nur ein Motiv das völlig für sich alleine steht. Die Aufnahmen haben sich auf ein Motiv konzentriert – nicht auf ein Ziel. Sie offenbaren auf den zweiten Blick nichts Neues. Das macht diese Bilder langweilig. Warum wurden die Bilder aufgenommen? Um Emotionen festzuhalten oder um gezielt Emotionen zu wecken. Emotionen ergeben sich aus Geschichten, und diese finden sich in Beziehungen nicht in statischen Bildern!

Um Beziehungen zu zeigen, benötigen Fotos mindestens zwei Akzente. Dann passiert etwas unglaubliches. Egal wem Sie das Bild zeigen, der Betrachter wird sofort damit beginnen das Bild zu interpretieren. Denn das tut unser Gehirn den ganzen Tag. Egal ob auf der Arbeit, in der Schule, Zuhause am Esstisch oder beim Sport. Aufgrund von Dingen die wir sehen, interpretieren wir was es damit auf sich hat. Beispiele?

  • Die Kollegin hat eine neue Frisur. -> Bestimmt hat sie sich von ihrem Freund getrennt.
  • Der Nachbar hat heute tiefe Augenringe. -> War bestimmt ne gute Party gestern.
  • Der Chef rennt immer wieder schnell aus dem Büro -> Bestimmt Streß. Bestimmt keine gute Laune.

Egal was wir sehen, wir müssen einfach darüber nachdenken, und wir müssen einfach interpretieren. Und dabei spielen unsere Erfahrung, soziale Klischees, Vorurteile, Denkmuster und Wünsche eine entscheidende Rolle. Mit diesem Wissen musst du also gar nicht dem unmöglichen Anspruch hinterherrennen eine komplette Geschichte zu zeigen. Es genügt wenn du dem Betrachter die richtigen Knochen hinwirfst. Die Geschichte entsteht im Kopf.

1.) Zwei Menschen

Zwei Menschen können auf so viele Arten eine Beziehung visualisieren. Dazu fällt sicher jedem sofort etwas ein. Blicke, Hände, Körperhaltung… egal ob zwei Menschen die im Mittelpunkt eines Bildes stehen wirklich miteinander interagieren oder nicht, unser Hirn kann gar nicht anders als eine Beziehung zwischen den Beiden zu suchen.

Auf den ersten Blick wirkt es also sehr einfach zwei Menschen in einem Foto in Beziehung zu bringen. Genauso wie wir solche Motive aufsaugen und sofort interpretieren, erkennen wir aber auch in Sekundenbruchteilen ob die Szene “Echt” ist. Und Menschen haben die blöde Eigenschaft sich komplett anders zu verhalten wenn eine Kamera in der Nähe ist. Aus der scheinbar einfachsten Möglichkeit Beziehungen auf ein Foto zu brennen, wird also schnell die größte Herausforderung.

So bringst du einen zweiten Menschen ins Spiel

  • Zeige nur ein Körperteil : Einzelne Körperteile wie z.B. eine Hand oder die Füße einer weiteren Person lassen erkennen, dass auf dem Bild mehr stattfindet als auf den ersten Blick zu erkennen ist.
  • In den Vordergrund/Hintergrund : Auch wenn weitere Personen “nur” zusätzlich im Hintergrund oder Vordergrund sind können Sie die Geschichte deines Bildes umschreiben.
  • Über die Schulter blicken: Eine dieser Möglichkeiten ist es einer Person “über die Schulter” zu fotografieren. Diese Person im Vordergrund des Bildes interagiert dadurch mit deinem gesamten Bildausschnitt.

“Hey Philipp, den einfachsten Weg hast du jetzt aber vergessen. Ich kann doch einfach immer die ganze Szene fotografieren!” Das stimmt. Das kann man machen. Nur ganz oft ist das nicht der beste Weg. Warum ist das so? Eine ganze Szene kann schnell unübersichtlich werden. Es ist schwierig jeden Akzent so einzufangen, dass das Bild am Ende die Magie der Szene auch wirklich wiedergeben kann. Deshalb ist es so wichtig sich bewusst zu machen warum man die Szene fotografieren möchte. Und dann: Fokus auf die Akzente welche die Geschichte am besten erzählen.

Im Grunde ist es genau das, was unser Handwerker macht. Er fotografiert einfach immer ein Vorher- und ein Nachherbild der Baustelle. Also die gesamte Szene. (Damit erzählt er schon eine Geschichte. Nämlich indem er das Vorher-Bild mit dem Nachher-Bild in eine Beziehung setzt. In einem anderen Artikel habe ich noch mehr über 2-Foto-Storys aufgeschrieben.) Noch mehr Geschichten sind auch hier in unterschiedlichen Beziehungen versteckt.

2.) Gegenstände

“Kleider machen Leute” – dieser bekannte Ausspruch beschreibt nur einen Weg wie Gegenstände dafür verantwortlich sind welche Geschichte wir in einem Bild sehen. Aber es ist egal ob du deinen Protagonisten in einer bestimmten Kleidung, mit einem Buch oder einer Kaffeetasse abbildest. Wenn ein Gegenstand in den Fokus gerückt wird geht er eine Beziehung zur Person ein und wird die Person und Szene unweigerlich verändern.

Und auch wenn überhaupt keine Menschen auf dem Bild sind gehen Gegenstände Beziehungen untereinander ein. Wenn der Handwerker zum Beispiel auch Work-in-Progress-Fotos machen würde, sieht man nicht nur eine Baustelle, sondern auch Details – z.B. Schutt, Werkzeuge das Hinweisschild “Fußboden nicht betreten” oder Material. Der Betrachter erfährt jetzt was der Handwerker tut, er erfährt etwas über die Herausforderungen solch einer Baustelle und, dass nur ein Profi wie unsere Held das meistern kann.

Oder, nehmen wir Reise-Fotos. Vor ein paar Jahren bin ich den West-Highland-Way gegangen. Tolle Landschaften in den schottischen Highlands. Als ich die Fotos dann im Fotoalbum gesehen habe war ich enttäuscht. Irgendwie war das doch vor Ort viel beeindruckender. Und von den Highlands gibt es viel tollere Landschaftsaufnahmen. Und das ist doch klar. Ich wollte ja gar keine Landschaftsaufnahme machen. Weder habe ich mir Zeit genommen um das beste Licht abzuwarten, den besten Standpunkt zu suchen noch habe ich die Kamera richtig darauf eingestellt. Ich wollte doch diesen Moment einfangen! Wir spürten schon unsere Beine nachdem wir, den dritten Tag in Folge, bereits über 5 Stunden zu Fuß unterwegs waren. Und trotzdem war es befreiend und genau der richtige Weg diese Landschaft so zu erobern. Es war unser Moment. Und das zeigt dieses Foto nicht.

Heute würde ich diese Fotos anders machen. Ich würde zum Beispiel meine, mit Matsch verschmierten, Wanderschuhe im Vordergrund platzieren. Oder unsere Wanderrucksäcke und Lunchboxen an einem Stein platzieren. Und dann diese Szenen in dieser Landschaft festhalten. Jetzt bekommt das Bild eine Geschichte die kein anders Bild jemals vorher in dieser Landschaft gezeigt hat.

So erzählen die Gegenstände auf deinen Fotos eine Geschichte:

  • Details initiieren: zeige die richtigen Details für die Geschichte die du erzählen willst; fotografiere nur Ausschnitte der ganzen Szene;
  • “Werkzeug” zeigen: achte darauf, dass Gegenstände auf deinen Bildern sind die eine Handlung vermuten lassen
  • erweiterte Portraits: statt klassische Head-Shot-Portraits zeigen erweiterte Portraits den Menschen in seiner Umgebung.

3.) Bonus: Der Betrachter als Beziehungspunkt

Es gibt noch einen weiteren Weg wie du Beziehungen in deinen Fotos aufbauen kannst. Indem du selbst, mit denen die du fotografierst, in Beziehung trittst. Lass dir beim Fotografieren zum Beispiel zuprosten oder etwas zeigen. Wenn du als Fotograf aus der Beobachterrolle ausbrichst und zum Beteiligten wirst, dann macht du den Betrachter deiner Fotos zum Beteiligten.

Wenn man also Beziehungen fotografiert, kommt man dem Ziel von narrativen Fotos sofort einen großen Schritt näher. Wenn du den Fokus auf Beziehungen legst wirst du dich automatisch auch mit dem Bildaufbau auseinandersetzen. Denn um Beziehungen abzubilden ist es entscheidend die jeweiligen Akzente richtig zu inszenieren. Welche Erfahrungen hast du damit gemacht und welche Ideen oder Trickst hast du um deine Bilder zu noch besseren Erzählern zu machen? Lass gerne einen Kommentar da – und jetzt: viel Spaß beim Knipsen!

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